Spaziergänge eines einsamen Träumers

Ö1 Hörspielpreis der Kritik für „Spaziergänge eines einsamen Träumers“
von Mischa Zickler
Musik: Thomas Rabitsch
Mit: Markus Meyer, Claudius von Stolzmann, Christiane von Poelnitz, Steffen Link und Tim Breyvogel (ORF 2017)

Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst – Kunstradio
Österreich 1 hat Kulturjournalistinnen und -journalisten eingeladen das, ihrer Ansicht nach, „künstlerisch anspruchsvollste und ansprechendste“ Ö1 Originalhörspiel des Jahres auszuwählen. Der Hörspielpreis der Kritik wurde am 23. Februar im Rahmen der Ö1 Hörspiel-Gala im ORF RadioKulturhaus und on air auf Österreich 1 verliehen.

Der Regisseur, Autor und Fernsehproduzent Mischa Zickler, der seine Karriere im Radio begonnen hat, ließ sich von „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“ – dem letzten Werk des Philosophen, Pädagogen, Schriftstellers und Naturforschers Jean-Jacques Rousseau inspirieren.
Und es hat sich Unglaubliches herausgestellt: Jean-Jacques Rousseau lebt noch!
Rousseau wird bei seinen täglichen Spaziergängen durch den Wald von einem aufdringlichen Journalisten verfolgt, dessen Neugierde nicht nur beruflich motiviert scheint. Die Gespräche in der Natur werden dabei zu einer vorsichtigen Annäherung der beiden Männer, denen sich die Welt so unterschiedlich offenbart hat. Und der alternde Rousseau muss erleben, wie sein bequemes Weltbild – in dem er sich so häuslich eingerichtet hat – durch den jungen Mann genauso in Frage gestellt wird wie Rousseaus Beziehung zu seiner Frau Thérèse.

Aus der Laudatio von Dr. Hedwig Kainberger (Salzburger Nachrichten):
„Was wir heute auszeichnen wollen, fängt unheilvoll an, endet aber lustig. Allerdings kann man den Schluss auch tragisch verstehen, weil da jemand seinen soeben entdeckten, widerborstigen, launischen, tief drin vielleicht sogar liebenden, sehr, sehr klugen Vater verliert. Jedenfalls hat dieses auszeichnungswerte Hörspiel den witzigsten Abspann, den wir als langgediente Juroren des Hörspielpreises der Kritik je gehört haben. Und zwischen dem unheilvollen Anfang und dem lustigen Ende gibt es viel Geistreiches. In unserer Jurysitzung sind auch lobende Worte wie „schwungvoll“, „pfiffig“, „erstaunlich“ und „großartige Stimmen“ gefallen.

So ist unsere Entscheidung auf die „Spaziergänge eines einsamen Träumers“ gefallen – von Mischa Zickler. Wir durften da den Philosophen Jean-Jacques Rousseau auf seinen Morgenspaziergängen begleiten. Und dieser Rousseau wiederum wird auf diesen Spaziergängen durch einen – nicht offensichtlichen, sondern offenhörlichen – Wald von einem mehr oder weniger lästigen Journalisten begleitet. Dieser entpuppt sich am Ende als vermeintlicher Journalist und tatsächlicher Sohn. Die Zwiegespräche der beiden werden von angenehm unphilosophischen Einwürfen einer Wäscherin aufgelockert: Rousseaus Lebensgefährtin Thérèse. Daher möchten wir dieses Hörspiel – auch das ein Wort aus unserer Juryitzung – als „heiteres Rousseau-Seminar“ rühmen….“

(Fotocredit Titelbild: Julia Herzog / ORF)

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